AKTUELLES – Belarus

CIHM ZMSBw Kriegsmuseen

Im Rahmen der Jahrestagung der CIHM am ZMSBw habe ich einen Vortrag zum Thema „Zur Konstruktion strategischer Narrative. Kriegserfahrung und Geschichtspolitik in den Kriegsmuseen Kaunas, Minsk und Moskau nach dem Zweiten Weltkrieg“ gehalten.
Im Mittelpunkt standen die unterschiedlichen erinnerungskulturellen und geschichtspolitischen Deutungen des Zweiten Weltkriegs in den drei Militärmuseen sowie ihre Bedeutung für gegenwärtige strategische Narrative.
Die Museen in Minks und Moskau kenne ich seit vielen Jahren aus eigener Anschauung und hatte dort mehrmals in den Archiven gearbeitet. Für dieses Forschungsprojekt habe ich daher ergänzend Recherchen im Archiv des litauischen Museums durchgeführt und dabei die wunderschöne Stadt Kaunas besser erkundet.

Belarus Ingo Petz

Im Online-Format „Angelesen“ des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr habe ich das Buch Rasender Stillstand. Belarus – eine Revolution und die Folgen von Ingo Petz vorgestellt (online 28. Mai 2026). Das Buch zeichnet die Entwicklungen in Belarus seit den Protesten von 2020 nach und zeigt eindrücklich, wie eng die Zukunft des Landes mit der der Geschichte und Politik in Europa verbunden ist.
Es war mir ein besonderes Anliegen, dieses Buch vorzustellen. Es eröffnet einen differenzierten Blick auf ein Land, das im Schatten Russlands und der Ukraine steht, und doch für das Verständnis der Region – und einer Welt nach dm Ukrainekrieg – von zentraler Bedeutung ist.

Am 10. November 2025 haben wir im Museum Berlin-Karlshorst zum Thema „Geschichte unter Druck: Erinnerungskultur und ziviler Widerstand im belarusischen Exil“ diskutiert. Im Zentrum stand das Free Belarus Museum in Warschau, das einen im Exil entstandenen Raum des Erinnerns schafft. Das Museum sammelt und bewahrt Objekte, Dokumente und persönliche Zeugnisse der belarussischen Protestbewegung und versteht Erinnerung als politische Haltung und Form des zivilen Widerstands.

Mit auf dem Podium waren Alla Stashkevic, die das Museum vorgestellt hat. Sie musste aus Belarus ins Exil fliehen. Außerdem Ingo Petz, Journalist und Autor bei der Osteuropaplattform „dekoder“. Moderiert von Jörg Morré, dem Direktor des Museums Berlin-Karlshost, haben wir erörtert, wie neue Narrative im Exil entstehen, die abseits staatlicher Geschichtspolitik geformt werden, und was dieses und andere Museen zum politischen Wandel beitragen können.

Trostenez Museum Berlin-Karlshorst

Zu diesem Thema habe ich im Juni einen Vortrag im Museum Berlin-Karlshorst gehalten. Während ich mich den historischen Ereignissen in Trostenez und der juristischen Aufarbeitung gewidmet habe, hat Astrid Sahm (IBB Dortmund und SWP) zur Erinnerung an diesen lange vergessenen Ort gesprochen. In der anschließenden Diskussion kamen die aktuellen Möglichkeiten einer Weiterentwicklung der Gedenkanlage und die Perspektiven für die Errichtung eines Informationsortes zur Sprache.

VdK Bundesvorstand 2021

Erinnerungskultur, Geschichtspolitik, Gedenken an gefallene Soldaten und andere Kriegsopfer und die Bundeswehr – meine Themen sind zugleich die Themen des Volksbundes, in dessen Bundesvorstand ich im Oktober 2021 gewählt worden bin.

Meine jahrelang engen Beziehungen zu Belarus und Russland und die Tatsache, dass die deutsch-russischen Beziehungen auf einem neuen Tiefpunkt und die Lage in Belarus deprimierend sind, sind Gründe dafür. Jenseits der Tagespolitik macht mich das als Historikerin vor dem Hintergrund, was Deutsche und die Nachfolgestaaten der Sowjetunion nach 1945 zusammen erreicht haben, betroffen.

Mit meinem Engagement verbinde ich die Hoffnung, weiterhin in den postsowjetischen Raum zu reisen, um den Faden ich abreißen zu lassen. Dabei geht es keineswegs nur um deutsche Soldaten, sondern explizit auch um die Kriegstoten und Opfer der Partnerländer und gemeinsame Projekte zur Verständigung und Versöhnung.

Foto: VdK, Kassel (2021)

Neubau HM Minsk

Mit erheblicher Verzögerung, nicht zuletzt wegen Corona, erscheint nun bald ein Sammelband der Universität Kiel zu einer Konferenz im Jahr 2019, in dem folgender Text von mir enthalten ist: „Great Patriotic War versus Nationalization: Remembrance and Commemoration in Belarusian Museums.“
Darin geht es um den geplanten Neubau für das Nationale Historische Museum von Belarus in Mink, der allerdings auf unbekannte Zeit verschoben ist.

Synogoge Slonim

Ende Juni fand der erste Online-Workshop zum Austausch über ein zukünftiges Jüdisches Museum in Minsk statt. Impulse gab es von renommierten Referent*innen, darunter Michael Wolfssohn und Vertretern der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie der Jüdischen Museen in Warschau, Moskau und Berlin.

Gemeinsam mit den lokalen Partnern vom jüdischen Museum der Gemeinde Minsk und des Zentrums für jüdisches Kulturerbe in Belarus wurden Chancen und Herausforderungen einer Museumsgründung diskutiert. Das Thema der jüdischen Geschichte und Kultur ist derzeit aktuell, in vielen Städten gibt es Initiativen und Projekt, die sich der Bewahrung jüdischer Friedhöfe (z.B. in Mogiljov), verfallener Synagogen (z.B. in Slonim) oder touristischer Programme (z.B. in Braslav) widmen.

Der nächste Workshop ist für November geplant.

Foto: http://historicsynagogueseurope.org

JM Minsk

Mapping – Popularisierung – Institutionalisierung, das sind die Stichworte für die Module des vom Goethe-Institut Minsk realisierten und vom Auswärtigen Amt finanzierten Projekts für die Jahre 2020 und 2021. Dahinter verbergen sich (1) die fotografische Dokumentation historischer Orte und virtuelle Rekonstruktion ausgewählter Synagogen, (2) vielfältige Veranstaltungen, Konferenzen und Festivals sowie (3) der Impuls für das Nachdenken über ein Jüdisches Museum in Minsk. Dazu wollen wir bestehende Initiativen und Akteure vernetzen, sie mit Vertretern internationaler Museen zusammenbringen und in drei Workshops Chancen und Herausforderungen eines solchen Vorhabens ausloten. Am 24. Juni starten wir mit dem ersten Workshop und renommierten Referent*innen, darunter Michael Wolfssohn, Barbara Kirshenblatt-Gimblett (POLIN/Jüdisches Museum Warschau), Adam Kerpel-Fronius (Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas), Lija Chechik (Jüdisches Museum Moskau/Center of Tolerance) sowie einem Vertreter aus dem Jüdischen Museum Berlin.

Unsere lokalen Partner vor Ort sind das Museum der Jüdischen Gemeinde Minsk sowie das Zentrum für jüdisches Kulturerbe in Belarus.

Foto: Screenschot der Website https://www.jewishmuseum.by/ (Juni 2020)

GW Moderation

In diesem und dem nächsten Jahr wird das Gebäude, eines der letzten auf dem Gebiet des ehemaligen Minsker Ghettos, mit Mitteln des Auswärtigen Amtes baulich instandgesetzt. Parallel erarbeiten wir eine Konzeption für die Gestaltung der Innenräume – eine Dauerausstellung, die über den Ort, das Ghetto und die Erinnerung daran informiert, eine verbesserte Bildungsarbeit mit Besuchern und Gruppen ermöglicht sowie weiterhin Gespräche und Begegnungen mit den letzten Zeitzeugen ermöglicht. Auf diese Weise soll die Geschichtswerkstatt als Lernort weiter professionalisiert und in internationale Netzwerke eingebunden werden. Gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, der Architektin Galina Lewina und der Ausstellungsgestalterin Susanne Benzing haben wir beim ersten Online-Workshop Ende Mai mit der Arbeit begonnen und den Grundstein für die zukünftige Ausstellung gelegt.

Foto: K. Janeke

dbg 2018

Nach gut zwei Jahren im Vorstand der dbg bin ich auf der letzten Mitgliederversammlung im April zurückgetreten. Ich war damit nicht allein, außer mir sind seit der Wahl zum neuen Vorstand im Dezember 2019 vier Vorstandsmitglieder zurückgetreten. Ich bedauere diese Entwicklung sehr und beabsichtige, die dgb weiterhin als Mitglied aktiv zu unterstützen. Allerdings hatte sich nach der Neubesetzung des Postens des Vorsitzenden durch Markus Meckel die Zusammenarbeit aller Vorstandsmitglieder als nicht konstruktiv erwiesen. Aktuell arbeitet der Vorstand mit nur drei Mitgliedern weiter. Vor dem Hintergrund der vielfältigen Entwicklungen in Belarus und des deutsch-belarussischen Verhältnisses ist es ausgesprochen schade, dass sich die Zusammensetzung des Vorstandes so nicht halten konnte. Sie hätte einen Generationenwechsel eingeleitet, neue und bisher in der dgb vernachlässigte Aspekte der inhaltlichen Arbeit mit sich gebracht und das renommierte Minsk-Forum erneuern können.

Foto: K. Janeke