AKTUELLES – Kriegserinnerung

ZDF Dokumentation: Deutschlands Soldaten

Bereits in dem sehr erfolgreichen (bereits 2. Auflage) Buch „Deutsche Krieger“ von Sönke Neitzel konnten sich mein Mann, Niels Janeke, und sein Urgroßvater Wilhelm (Wehrdienst 1892-1894 JgBtl 12 in Freiberg Sachsen) verewigen. Hierzu gibt es jetzt eine Fortsetzungsgeschichte mit dem ZDF-Dokumentarfilm von Sonja von Behrens „Deutschlands Soldaten“. In dem 45-minüten Film kommt Niels mehrfach zu Wort – als Urenkel, als Enkel und Sohn von Zeitzeugen (immer habe ich mich geärgert, wenn die Verwandtschaft im Expertenstatus auftritt, nun ist es die eigene Familie) sowie selbst als Soldat und wiederum Vater eines der letzten Wehrpflichtigen.

In der nächsten aktualisierten Ausgabe des Buches oder dem Fortsetzungsfilm könnte ich dann mit der Realsatire „Überleben als Seiteneinsteigerin im Bundeswehrmuseum“ beitragen. Aber so oder so hat sich mit mir der Kreis geschlossen: Wieder ein(e) Janeke in Militärdiensten in Sachsen!

Der Film ist in der ZDF-Mediathek unter folgendem Link zu finden:
https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-history/deutschlands-soldaten—vom-kaiserreich-bis-nach-afghanistan-100.html

Titelfoto: https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-history/deutschlands-soldaten—vom-kaiserreich-bis-nach-afghanistan-100.html (29.12.2021)

VdK Bundesvorstand 2021

Erinnerungskultur, Geschichtspolitik, Gedenken an gefallene Soldaten und andere Kriegsopfer und die Bundeswehr – meine Themen sind zugleich die Themen des Volksbundes, in dessen Bundesvorstand ich im Oktober 2021 gewählt worden bin.

Meine jahrelang engen Beziehungen zu Belarus und Russland und die Tatsache, dass die deutsch-russischen Beziehungen auf einem neuen Tiefpunkt und die Lage in Belarus deprimierend sind, sind Gründe dafür. Jenseits der Tagespolitik macht mich das als Historikerin vor dem Hintergrund, was Deutsche und die Nachfolgestaaten der Sowjetunion nach 1945 zusammen erreicht haben, betroffen.

Mit meinem Engagement verbinde ich die Hoffnung, weiterhin in den postsowjetischen Raum zu reisen, um den Faden ich abreißen zu lassen. Dabei geht es keineswegs nur um deutsche Soldaten, sondern explizit auch um die Kriegstoten und Opfer der Partnerländer und gemeinsame Projekte zur Verständigung und Versöhnung.

Foto: VdK, Kassel (2021)

Neubau HM Minsk

Mit erheblicher Verzögerung, nicht zuletzt wegen Corona, erschient nun bald ein Sammelband der Universität Kiel zu einer Konferenz im Jahr 2019, in dem folgender Text von mir enthalten ist: „Great Patriotic War versus Nationalization: Remembrance and Commemoration in Belarusian Museums.“

Darin geht es um den geplanten Neubau für das Nationale Historische Museum von Belarus in Mink, der allerdings auf unbekannte Zeit verschoben ist. Insofern ist der Text schon wieder überholt, zumal ich mir die verschiedenen Versionen der Konzepte für die geplante Dauerausstellung angesehen und analysiert hatte. Vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen seit dem Sommer 2020 ist es jetzt noch schwieriger als es ohnehin schon war, ein Narrativ für eine belarussische Nationalgeschichte zu finden. Von einem offenen Konzept zur Präsentation unterschiedlicher Perspektiven auf die Geschichte der Region war bei den ursprünglichen Plänen schon nicht die Rede. Heute können wir davon nur träumen. Aber das wenigstens ist ja noch erlaubt.

Vor dem veränderten politischen Hintergrund sind auch meine Belarus-Projekte in eine Sackgasse geraten. Allein einen vorläufig letzten Online-Workshop zur Entwicklung des Jüdischen Museums in Minsk habe ich im Juni moderiert. Die Bedingungen sowohl für die Geschichtswerkstatt als auch für das Goethe-Institut haben sich vollständig verändert, das Goethe Institut ist geschlossen, viele Kolleginnen und Kollegen sind inzwischen im Ausland in Vilnius, Warschau oder Berlin. Andere haben ihre Arbeit verloren, sind selbst oder ihre Familienmitglieder verhaftet worden. Es ist ein Wunder, dass sie alle trotzdem weitermachen und die Hoffnung nicht aufgeben.

Ich selbst war nun schon zwei Jahre nicht mehr in Belarus. Es entgleitet mtr, wie auch Russland es tut. Sei es wegen meines noch immer neuen Jobs im MHM In Dresden, weshalb ich mich nicht mehr in demselben Umfang wie früher engagieren kann, sei es wegen Corona oder der politischen Lage – Menschen, Themen und Projekte, die meine Arbeit über viele Jahre maßgeblich bestimmt und geprägt haben, sind im Moment und wohl auf absehbare Zeit aus dem Blickfeld geraten.

Foto:
https://www.the-village.me/village/city/news-city/272695-novyy-istoricheskiy-muzey (29.12.2021)

Mittwoch, 13. Mai 2020, 18.30 Uhr, Moskauer Zeit – online

Unter diesem Titel wird die zweite Veranstaltung im Rahmen der Moskauer Gespräche des Deutsch-Russischen Forums im online-Format nachgeholt, die ursprünglich für den 26. März geplant war und wegen Corona ausgefallen ist. Gemeinsam mit Irina Scherbakowa, Vorsitzende des Rates des Wissenschafts-, Informations- und Bildungszentrums „Memorial“, Pavel Polian, Direktor des Mandelstam-Zentrums, HSE Moskau und Arina Nemkowa, Leiterin der Stiftung zur Förderung und Entwicklung deutsch-russischer Beziehungen „Deutsch-russisches Begegnungszentrum“, St. Petersburg werden wir per Zoom diskutieren. U.a. soll es um die unterschiedlichen Erinnerungskulturen in Russland und Deutschland und die Frage gehen, welchen Beitrag Museen und Ausstellungen 75 Jahre nach dem Ende Krieges leisten können, gegenseitiges Vertrauen zurückzugewinnen.

Diskutieren Sie mit! Unter diesem Link können Sie sich anmelden. Sie erhalten per Email Ihren individuellen Zugang zur Web-Veranstaltung auf der Konferenz-Plattform RSI.

https://www.deutsch-russisches-forum.de/moskauer-gespraech-am-13-mai/3222798

Foto: K. Janeke

GW Moderation

In diesem und dem nächsten Jahr wird das Gebäude, eines der letzten auf dem Gebiet des ehemaligen Minsker Ghettos, mit Mitteln des Auswärtigen Amtes baulich instandgesetzt. Parallel erarbeiten wir eine Konzeption für die Gestaltung der Innenräume – eine Dauerausstellung, die über den Ort, das Ghetto und die Erinnerung daran informiert, eine verbesserte Bildungsarbeit mit Besuchern und Gruppen ermöglicht sowie weiterhin Gespräche und Begegnungen mit den letzten Zeitzeugen ermöglicht. Auf diese Weise soll die Geschichtswerkstatt als Lernort weiter professionalisiert und in internationale Netzwerke eingebunden werden. Gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, der Architektin Galina Lewina und der Ausstellungsgestalterin Susanne Benzing haben wir beim ersten Online-Workshop Ende Mai mit der Arbeit begonnen und den Grundstein für die zukünftige Ausstellung gelegt.

Foto: K. Janeke

Geschichtswerkstatt Minsk

Bei seinem Besuch im Sommer 2018 zur Einweihung der Gedenklandschaft in der Blagowschtschina auf dem Gelände der ehemaligen Vernichtungsstätte Maly Trostenez hat Bundespräsident Steinmeiner mit Alexander Lukaschenko über den Verkauf der Geschichtswerkstatt an die IBB Minsk gesprochen. Jetzt ist es soweit: Seit dem 27. Februar ist die deutsch-belarussische Bildungs- und Begegnungsstätte Eigentümerin eines der letzten historischen Gebäude des Minsker Ghettos, in dem sich seitt 2003 die Geschichtswerkstatt befindet.

In diesem und dem nächsten Jahr wird das Haus mit Mitteln des Auswärtigen Amtes baulich instand gesetzt und erhält eine moderne Dauerausstellung. Sie ist Teil des Konzepts, diesen historischen Lernort weiter zu professionalisieren und in internationale Netzwerke einzubinden. Gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, der Architektin Galina Lewina und einem Ausstellungsgestalter werden wir in den nächsten Monaten eine Konzeption für die Ausstellung entwickeln, die im kommenden Jahr realisiert werden soll.

Abbildung: http://www.gwminsk.com/

Belarus: Holocaust in der Erinnerungskultur von Weißrussland

Auf Einladung der Universität und des Jüdischen Museums in Augsburg werde ich im Rahmen des „Kolloquiums Kunst- und Kulturgeschichte“ am 29. Januar des neuen Jahres im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben einen Vortrag über den „Holocaust in der Erinnerungskultur von Weißrussland“ halten.

Foto: K. Janeke. Die gelben Zettel in Trostenec erinnern an die aus Österreich hierher deportierten Juden.

Welt Interview

Die aktuelle Debatte um ein Denkmal für die polnischen Opfer des NS-Vernichtungskrieges in Berlin findet im Kontext der Erinnerung an den 80. Jahrestag des Kriegsbeginns am 1. September 1939 statt. Diesem voraus ging der Hitler-Stalin-Pakt mit einem Zusatzprotokoll. Darin verständigten sich Hitler und Stalin über ihre zukünftigen Einflusssphären in Europa und die Aufteilung Polens. Die Folge waren der Überfall der Wehrmacht auf Polen am 1. September und die Besatzung Ostpolens durch die Sowjetunion am 17. September 1939.

Der Kriegseintritt der Sowjetunion und die sich daraus ergebenden Folgen für die ostpolnischen Gebiete finden in der gegenwärtigen Diskussion nur wenig Aufmerksamkeit. Dieses, heute noch in Belarus als „Wiedervereinigung“ erinnerte Datum ist Gegenstand meines Interviews mit Sven Felix Kellerhoff.

Vortrag Trostenez

Meine aktuelle Vortragstätigkeit zur Geschichte und Erinnerungskultur des Vernichtungsortes Trostenez, Minsk/Belarus umfasst folgende Konferenzen:

  • Internationale Tagung „Deutschland und Belarus“ an der Historischen Fakultät der Linguistischen Universität Minsk/Belarus, Minsk. Belarus, 5.4.2019, in russischer Sprache,
  • Internationales Symposium „Museums in XXI Century: New Meanings, New Space, New Imagery“, ICOM Belarus, 9./10.4.2019, Minsk, in russischer Sprache,
  • Jahrestagung der „Arbeitsgruppe Internationale Geschichte“ im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD): „Außenbeziehungen und Erinnerung von der Antike bis in die Gegenwart“, veranstaltet vom 16. – 18. Mai 2019, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Foto: K. Janeke

Forgotten Front WW1

Noch immer steht die Forschung zur Ostfront des Ersten Weltkrieg im Schatten der westlichen Kriegsschauplätze. Zwar sind seit dem 10. Jahrestag 2014 viele zahlreiche Publikationen erschienen. Offenbar gilt das aber nicht für den englischsprachigen Raum, konkret die US-amerikanische Forschung.

Dafür spricht jedenfalls, dass der Sammelband des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (heute Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr) aus dem Jahre 2004 praktisch ohne Änderungen oder Aktualisierungen kürzlich ins Englische übersetzt und sogleich für den im Titel genannten Preis nominiert worden ist.

Ich habe darin einen Beitrag über den Moskauer Brüderfriedhof publiziert, der 2004, also zum 90. Jahrestag, als wir die erste große Ausstellung zum Ersten Weltkrieg im DHM gemacht haben, noch weitgehend unbekannt war. Seitdem ist viel passiert: Das Gelände deutlich erweitert und umgestaltet, neue Gedenksteine aufgestellt und der Friedhof wieder in das offizielle Gedächtnis zurückgekehrt. Das hätte ich gerne in den Text eingearbeitet, aber mit Mühe und Not konnte ich eine einzige Fußnote am Ende des Textes platzieren, die auf den Forschungsstand des Beitrags von 2004 und die nachfolgenden Entwicklungen hinweist. Dazu gehört nicht weniger als ein Paradigmenwechsel in der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Russland. Für die amerikanischen Leser scheint jedoch selbst der überholte Stand der Forschung einen Erkenntnisgewinn zu bringen, was insgesamt dafür spricht, dass es zur Ostfront noch immer einen Nachholbedarf gibt.