AKTUELLES – News

Kreisau Gedenkstättenkonferenz

… so lautete der Titel der diesjährigen Internationalen Gedenkstättenkonferenz in Kreisau (Krzyżowa) vom 3.-6. April. Ich hatte die Ehre und die Freude, dort eine der beiden keynotes zu halten. Ich habe entlang verschiedener Beispiele von Denkmälern, Gedenkstätten und historischen Orten in Europa über die Bedeutung des Raums für die Erinnerung und das Gedenken in der Stadt, der Natur und im Museum gesprochen, bevor Paweł Machcewicz den Blick auf die Erinnerungskultur Polens gelenkt hat.

Schon im Oktober habe ich meine neue Verwendung, wie das so schön bei der Bundeswehr heißt, im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften angetreten. Ich kehre damit nach vielen Jahren „zurück in die Forschung“. Thematisch werde ich mich mit Osteuropa befassen, was bekanntlich neben dem Museum immer zu meinen Interessen gehört hat. Tatsächlich habe ich das in den letzten Jahren im MHM in Dresden vermisst, nicht nur wegen der politischen Lage, sondern insbesondere wegen meines Netzwerks an Freunden und Kollegen.

Unter diesem Titel habe ich Ende September 2023 einen Workshop am Nationalmuseum in Vilnius durchgeführt. Das Projekt war Teil des EUROPAST-Programms “Facing the Past. Public History for a Stronger Europe” unter der Leitung der Universität Vilnius in Kooperation mit dem ZZF in Potsdam.

Die ca. 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen Museen in Vilnius und den Regionen, vertreten waren große wie kleine Häuser, Kunst- und historische Museen, sog. Memorialmuseen, das Jüdische Museum in Vilnius und ein weiteres, privates jüdisches Museum.

Es wurde lebendig und auch kontrovers diskutiert, auch dank der verschiedenen Perspektiven auf das Museum von Kuratoren, Restauratoren, Direktoren oder Pädagogen. Ihre je eigene Erfahrungen haben zwei in Vilnius lebende Kolleginnen aus Belarus und Österreich und ein Kollege aus Italien eingebracht.

Abgerundet wurde das Seminar durch die Besichtigung der Sonderausstellung „Unresolved Compostion. The Second World War in Soviet Lithuanian Art“ im Neuen Arsenal, deren Besuch (bis März 2024) ich sehr empfehle.

Sönke Neitzel Bundeswehr Museum

Im September 2022 haben wir im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden die Sonderausstellung „Die Bundeswehr in der Ära Merkel. Krieg und Frieden 2005-2021“ eröffnet.
Ich habe in diesem Blog am 16.10.2022 darüber berichtet.
In dem Video stellen wir die Idee der Ausstellung, einzelne Exponate und Geschichten vor.

Kriegsende, Dresden, Gedenken

Am 13. Februar, dem Jahrestag der Bombardierung Dresdens, habe ich an einer Diskussion in der Frauenkirche teilgenommen. Mit mir auf dem Podium waren Annekatrin Klepsch, Beigeordnete für Kultur und Tourismus der Landeshauptstadt Dresden und Dr. Uljana Sieber, Leiterin der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden. Moderiert hat Oliver Reinhard, stellvertretender Leiter Feuilleton der Sächsischen Zeitung.

Seit Ende November ist Berlin um eine Attraktion reicher: Das Cold War Museum Unter den Linden. Je nachdem, von welcher Seite man es nimmt, ist es entweder gar kein Museum oder eine Inspiration, wie Museen auch sein können. Originalexponate kann man an einer Hand abzählen (dafür sind aber einige echte Highlights dabei).

Im MHM Dresden haben wir das neue Buch von Stefan Creuzberger zum Anlass genommen, ein weiteres Mal über Russland zu sprechen. Zu Gast war außer dem Autor die aus Russland geflohene Historiker Tatiana Timofeeva, die jetzt in Frankfurt/Oder lehrt.

Foto: K. Janeke

Seit Ende September ist die Ausstellung „Die Bundeswehr in der Ära Merkel“ in Dresden zu sehen. Im Fokus steht das Spannungsfeld zwischen Krieg und Frieden, so der Untertitel der Schau, das die Regierungszeit von Angela Merkel (2005-2021) mit dem längsten Einsatz mit Kampfgeschehen in der Geschichte der Bundeswehr in Afghanistan, der Aussetzung der Wehrpflicht, der Besetzung der Krim durch Russland, dem gültigen Weißbuch und dem aktuellen Traditionserlass ausmacht.

Unter den Schlüsselexponaten ist eine Tür des 2010 im Karfreitagsgefecht angesprengten Dingos zu sehen, ein 1:5 großes Modell des deutschen Tiger-Hubschraubers, zwei Schwimmwesten von Flüchtlingen, die von der Bundesmarine auf dem Mittelmeer gerettet wurden und eine MIKADO-Drohne. Die Objekte stellen Fragen nach dem Umgang mit Tod und Verwundung, danach, warum europäische und internationale Rüstungsprojekte fast nie zum Erfolg führen, welche humanitären Aufgaben die Bundeswehr wahrnimmt und ob wir bewaffnete Drohnen zum Schutz der Soldaten brauchen.

Ein mit einer sowjetischen Granate durchschossener Reifen beleuchtet den Donbass-Konflikt und bietet den Ausgangspunkt, die Überholung der Geschichte durch der Überfall Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 in die Ausstellung einzubeziehen.

Diese und viele weitere Exponate, Fotografie, Karten, Dokumente und Medien ergeben ein dichtes Bild der Bundeswehr der letzten zwanzig Jahre. Dabei stellt die Ausstellung, die ich für das MHM zusammen mit Sönke Neitzel kuratiert habe, mehr Fragen als sie Antworten gibt, zeigt aber oft bewusst oder unbewusst übersehene Zusammenhänge zwischen den Streitkräften, Politik, Gesellschaft, den Selbstbildern der Soldaten und der Rüstungsindustrie auf mit dem Ziel, für den Umgang mit Krieg, Gewalt und Miliar zu sensibilisieren.

Weitere Infos und Besprechungen auf der Website des MHM, in der FAZ vom 6.10.2022, der Sächsischen Zeitung vom 7.10.2022 und in der ARD-Mediathek vom MDR.

Titelfoto: K. Janeke

ZDF Dokumentation: Deutschlands Soldaten

Bereits in dem sehr erfolgreichen (bereits 2. Auflage) Buch „Deutsche Krieger“ von Sönke Neitzel konnten sich mein Mann, Niels Janeke, und sein Urgroßvater Wilhelm (Wehrdienst 1892-1894 JgBtl 12 in Freiberg Sachsen) verewigen. Hierzu gibt es jetzt eine Fortsetzungsgeschichte mit dem ZDF-Dokumentarfilm von Sonja von Behrens „Deutschlands Soldaten“.

Foto Perestroika Roter Platz

Eine schöne Idee hatten einige „alte“ Kommilitoninnen aus der Zeit unseres Osteuropa-Studiums Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre. Sie haben Fotos aus der Zeit der Perestroika gesammelt und präsentieren diese nun zusammen mit den Autorentexten in einer online-Ausstellung auf dem Portal Visual History. Von mir gibt es ein Foto auf den Roten Platz wie durch ein Brennglas.

Die Online-Vernissage war ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern, mit denen man sich am liebsten direkt auf ein Glas Wein treffen würde. Wer von uns hätte gedacht, dass sich die Lage in Russland so entwickelt und fast den Eindruck hervorruft, als würden wir wieder, wie im Kalten Krieg, Feindforschung betreiben.

Ganz aktuell ist diese Perspektive angesichts des Verbots von „Memorial“, das genau in dieser Zeit, als wir zum Studium und Archivrecherchen in Russland unterwegs waren, im Entstehen begriffen war und ohne das wir in Forschung, Wissenschaft und Kultur nicht da wären, wo wir heute sind. Umso wichtiger ist es gerade jetzt, dass wir unsere Kontakte pflegen, Projekte im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich weiter vorantreiben, wo immer es geht und uns vor allem nicht aus den Augen verlieren. In diesem Sinne ist die Ausstellung ein wichtiges Projekt.