AKTUELLES – News

Seit Ende November ist Berlin um eine Attraktion reicher: Das Cold War Museum Unter den Linden. Je nachdem, von welcher Seite man es nimmt, ist es entweder gar kein Museum oder eine Inspiration, wie Museen auch sein können. Originalexponate kann man an einer Hand abzählen (dafür sind aber einige echte Highlights dabei).

Foto: K. Janeke

Seit Ende September ist die Ausstellung „Die Bundeswehr in der Ära Merkel“ in Dresden zu sehen. Im Fokus steht das Spannungsfeld zwischen Krieg und Frieden, so der Untertitel der Schau, das die Regierungszeit von Angela Merkel (2005-2021) mit dem längsten Einsatz mit Kampfgeschehen in der Geschichte der Bundeswehr in Afghanistan, der Aussetzung der Wehrpflicht, der Besetzung der Krim durch Russland, dem gültigen Weißbuch und dem aktuellen Traditionserlass ausmacht.

Unter den Schlüsselexponaten ist eine Tür des 2010 im Karfreitagsgefecht angesprengten Dingos zu sehen, ein 1:5 großes Modell des deutschen Tiger-Hubschraubers, zwei Schwimmwesten von Flüchtlingen, die von der Bundesmarine auf dem Mittelmeer gerettet wurden und eine MIKADO-Drohne. Die Objekte stellen Fragen nach dem Umgang mit Tod und Verwundung, danach, warum europäische und internationale Rüstungsprojekte fast nie zum Erfolg führen, welche humanitären Aufgaben die Bundeswehr wahrnimmt und ob wir bewaffnete Drohnen zum Schutz der Soldaten brauchen.

Ein mit einer sowjetischen Granate durchschossener Reifen beleuchtet den Donbass-Konflikt und bietet den Ausgangspunkt, die Überholung der Geschichte durch der Überfall Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 in die Ausstellung einzubeziehen.

Diese und viele weitere Exponate, Fotografie, Karten, Dokumente und Medien ergeben ein dichtes Bild der Bundeswehr der letzten zwanzig Jahre. Dabei stellt die Ausstellung, die ich für das MHM zusammen mit Sönke Neitzel kuratiert habe, mehr Fragen als sie Antworten gibt, zeigt aber oft bewusst oder unbewusst übersehene Zusammenhänge zwischen den Streitkräften, Politik, Gesellschaft, den Selbstbildern der Soldaten und der Rüstungsindustrie auf mit dem Ziel, für den Umgang mit Krieg, Gewalt und Miliar zu sensibilisieren.

Weitere Infos und Besprechungen auf der Website des MHM, in der FAZ vom 6.10.2022, der Sächsischen Zeitung vom 7.10.2022 und in der ARD-Mediathek vom MDR.

Titelfoto: K. Janeke

ZDF Dokumentation: Deutschlands Soldaten

Bereits in dem sehr erfolgreichen (bereits 2. Auflage) Buch „Deutsche Krieger“ von Sönke Neitzel konnten sich mein Mann, Niels Janeke, und sein Urgroßvater Wilhelm (Wehrdienst 1892-1894 JgBtl 12 in Freiberg Sachsen) verewigen. Hierzu gibt es jetzt eine Fortsetzungsgeschichte mit dem ZDF-Dokumentarfilm von Sonja von Behrens „Deutschlands Soldaten“. In dem 45-minüten Film kommt Niels mehrfach zu Wort – als Urenkel, als Enkel und Sohn von Zeitzeugen (immer habe ich mich geärgert, wenn die Verwandtschaft im Expertenstatus auftritt, nun ist es die eigene Familie) sowie selbst als Soldat und wiederum Vater eines der letzten Wehrpflichtigen.

In der nächsten aktualisierten Ausgabe des Buches oder dem Fortsetzungsfilm könnte ich dann mit der Realsatire „Überleben als Seiteneinsteigerin im Bundeswehrmuseum“ beitragen. Aber so oder so hat sich mit mir der Kreis geschlossen: Wieder ein(e) Janeke in Militärdiensten in Sachsen!

Der Film ist in der ZDF-Mediathek unter folgendem Link zu finden:
https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-history/deutschlands-soldaten—vom-kaiserreich-bis-nach-afghanistan-100.html

Titelfoto: https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-history/deutschlands-soldaten—vom-kaiserreich-bis-nach-afghanistan-100.html (29.12.2021)

Foto Perestroika Roter Platz

Eine schöne Idee hatten einige „alte“ Kommilitoninnen aus der Zeit unseres Osteuropa-Studiums Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre. Sie haben Fotos aus der Zeit der Perestroika gesammelt und präsentieren diese nun zusammen mit den Autorentexten in einer online-Ausstellung auf dem Portal Visual History. Von mir gibt es ein Foto auf den Roten Platz wie durch ein Brennglas.

Die Online-Vernissage war ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern, mit denen man sich am liebsten direkt auf ein Glas Wein treffen würde. Wer von uns hätte gedacht, dass sich die Lage in Russland so entwickelt und fast den Eindruck hervorruft, als würden wir wieder, wie im Kalten Krieg, Feindforschung betreiben.

Ganz aktuell ist diese Perspektive angesichts des Verbots von „Memorial“, das genau in dieser Zeit, als wir zum Studium und Archivrecherchen in Russland unterwegs waren, im Entstehen begriffen war und ohne das wir in Forschung, Wissenschaft und Kultur nicht da wären, wo wir heute sind. Umso wichtiger ist es gerade jetzt, dass wir unsere Kontakte pflegen, Projekte im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich weiter vorantreiben, wo immer es geht und uns vor allem nicht aus den Augen verlieren. In diesem Sinne ist die Ausstellung ein wichtiges Projekt.

VdK Bundesvorstand 2021

Erinnerungskultur, Geschichtspolitik, Gedenken an gefallene Soldaten und andere Kriegsopfer und die Bundeswehr – meine Themen sind zugleich die Themen des Volksbundes, in dessen Bundesvorstand ich im Oktober 2021 gewählt worden bin.

Meine jahrelang engen Beziehungen zu Belarus und Russland und die Tatsache, dass die deutsch-russischen Beziehungen auf einem neuen Tiefpunkt und die Lage in Belarus deprimierend sind, sind Gründe dafür. Jenseits der Tagespolitik macht mich das als Historikerin vor dem Hintergrund, was Deutsche und die Nachfolgestaaten der Sowjetunion nach 1945 zusammen erreicht haben, betroffen.

Mit meinem Engagement verbinde ich die Hoffnung, weiterhin in den postsowjetischen Raum zu reisen, um den Faden ich abreißen zu lassen. Dabei geht es keineswegs nur um deutsche Soldaten, sondern explizit auch um die Kriegstoten und Opfer der Partnerländer und gemeinsame Projekte zur Verständigung und Versöhnung.

Foto: VdK, Kassel (2021)

MLM NATO

Ein Jahr hat es gedauert, bis wir – nachdem die Entscheidung zu unseren Gunsten ausgegangen war – endlich Anfang Januar 2020 im Auftrag der NATO nach Moskau umziehen konnten. 10 Tage hat man uns im Oktober 2021 gegeben, um das Land mit Sack und Pack wieder zu verlassen. Kurz zuvor waren einige Angehörige der russischen Delegation im NATO Hauptquartier mehr oder weniger überraschend ausgewiesen worden, woraufhin die Russen im Rahmen des üblichen „do ut des“ die Military Liaison Mission der NATO und das NATO-Informationsbüro in Moskau geschlossen haben. Den russischen Ortskräften wurde gekündigt, alle Mitarbeiter mussten mitsamt ihren Familien das Land zum 30.10.2021 verlassen.

Damit steht nun auch die Moskauer Wohnung nicht mehr für Verfügung. Zwar konnte ich wegen meines Jobs im MHM In Dresden gar nicht so oft hinfliegen, wie ich es gerne getan hätte. Aber nun fühlt es sich an, als hätte ich Russland noch ein Stückchen mehr verloren, denn sowohl Corona als auch die Politik entfernen beide Länder weiter voneinander, und damit wird auch die Verbindung zu Freunden und Kollegen schwieriger.

Foto: K. Janeke

MHM BW

Seit dem 1. September 2020 bin ich Wissenschaftliche Leiterin und Leiterin der Abteilung Museumsbetrieb des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden. Ich habe damit meine freiberufliche Tätigkeit mit Tradicia weitestgehend eingeschränkt.
Ich stehe aber weiterhin für beratende Tätigkeiten in meinen Kernfeldern Museum, Belarus/Russland und Geschichte zur Verfügung. Insbesondere die Projekte der Geschichtswerkstatt in Minsk und den langfristigen Aufbau eines Jüdischen Museums in Belarus, zusammen mit dem Goethe-Institut und belarussischen Partnern, begleite ich weiter.

Schlögel - Moskau lesen

Es ist tatsächlich passiert: Wir sind nach Moskau umgezogen! Was lange währt, wird endlich gut. Nach einem Jahr Vorbereitungszeit und bürokratischer Herausforderungen sind wir am 6.1.2020 umgezogen und nach zwei Wochen in der Übergangswohnung in der Botschaft nun in unserer Wohnung im Südwesten Moskaus. Die Wohnung liegt in dem Bezirk, in dem im Puschkin-Institut für die russische Sprache vor 30 Jahren (!) meine Abenteuer in Russland ihren Anfang genommen haben. Und natürlich ist es kein Zufall, dass ich kürzlich in einer Warteschlange mit einem ehemaligen Lehrer des Instituts ins Gespräch kam, der die ganzen alten Pauker noch kannte – und gleich ein paar typische Fehler korrigiert hat.

Mit Karl Schlögels „Moskau lesen“ tauche ich nochmal in die alten Zeiten an und mache mich auf Spurensuche. Fotos und Eindrücke von meinem aktuellen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt gibt es auf Instagram.

Belarus: Holocaust in der Erinnerungskultur von Weißrussland

Auf Einladung der Universität und des Jüdischen Museums in Augsburg werde ich im Rahmen des „Kolloquiums Kunst- und Kulturgeschichte“ am 29. Januar des neuen Jahres im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben einen Vortrag über den „Holocaust in der Erinnerungskultur von Weißrussland“ halten.

Foto: K. Janeke. Die gelben Zettel in Trostenec erinnern an die aus Österreich hierher deportierten Juden.